Was ist eine Sorgerechtsverfügung? Was ist ein Elterntestament? Brauche ich das? Und wenn ja, was muss rein?
Key Takeaways
- Eine Sorgerechtsverfügung legt fest, wen Eltern als Vormund für ihr Kind benennen, wenn sie die elterliche Sorge nicht mehr ausüben können.
- Ein Elterntestament und eine Sorgerechtsverfügung überschneiden sich stark; für Wirkung über den Tod hinaus sollte die Erklärung handschriftlich wie ein Testament verfasst oder notariell beurkundet werden.
- Besonders wichtig ist die Verfügung, wenn es Streit um das Sorgerecht gibt, das Jugendamt beteiligt ist oder Eltern verhindern wollen, dass das Gericht ohne klare Elternvorgabe entscheidet.
- In die Verfügung gehören die genaue Benennung des Kindes, eine klare Reihenfolge möglicher Vormünder und ausdrückliche Ausschlüsse ungeeigneter Personen, wenn das dem Kindeswohl dient.
- Je konkreter Wünsche, Erziehungsvorstellungen und Handlungsgrenzen formuliert sind, desto leichter kann das Gericht den Elternwillen berücksichtigen.
- Key Takeaways
- Was ist eine Sorgerechtsverfügung?
- Warum brauche ich ein Elterntestament bzw. Sorgerechtsverfügung?
- Wer braucht eine Sorgerechtsverfügung?
- Das Muster einer Sorgerechtsverfügung
- Erläuterungen zu meinem Muster einer Sorgerechtsverfügung:
- Die Benennungen im Sorgerechtsformular
- Zeitpunkt der Wirksamkeit der Sorgerechtsverfügung
- Die Liste der Ereignisse
- Reihenfolge der Benennungn von Vormündern
- Handlungspflicht der Bevollmächtigung
- Wer darf kein Vormund/Sorgerechtsinhaber/Betreuer werden
- Häufige Fragen zur Sorgerechtsverfügung und zum Elterntestament
- Brauche ich eine Sorgerechtsverfügung überhaupt?
- Muss eine Sorgerechtsverfügung handschriftlich verfasst sein?
- Was ist der Unterschied zwischen Sorgerechtsverfügung und Elterntestament?
- Darf ich mehrere Vormünder benennen?
- Kann ich bestimmte Personen ausdrücklich ausschließen?
Was ist eine Sorgerechtsverfügung?
Eine Sorgerechtsverfügung ist ein Rechtsakt, mit dem Eltern für den Fall ihres Ablebens oder der anderweitigen Unfähigkeit, die Elternrechte wahrzunehmen, ihr Benennungsrecht nach §§1776 ff. BGB.
Weil es sowohl über den Tod hinaus gültig sein kann als auch bei Krankheiten Anwendung findet, sollte man eine Sorgerechtsverfügung wie ein Testament gestalten und damit handschriftlich verfassen.
Wenn ein Elternteil stirbt, dann wird beinahe automatisch der andere Elternteil alleiniger Träger elterlicher Sorge. Sterben beide, wird ein Amtsvormund erstellt. Beides ist nicht immer gut für das Kind. Da der Gesetzgeber ein Vorrecht der Eltern bei Vormundsbenennung installiert hat, gibt es mit der Sorgerechtsverfügung, auch Elterntestament genannt, ein Instrument, um diesem Misstand vorzubeugen.
Warum brauche ich ein Elterntestament bzw. Sorgerechtsverfügung?
Das Elterntestament erfüllt den Zweck, wie bei einer Betreuungsverfügung, die eventuellen Entscheidungen der Gerichte zu lenken. Damit soll Einfluss genommen werden, wer sich um das Kind nach dem eigenen Ableben oder der gesundheitlichen Unmöglichkeit der Sorge (Bettlägrigkeit, aber auch psychische Krankheiten) kümmern soll. Damit wird die Freiheit der Entscheidung des Elternteils als Ausprägung von Art. 6 II GG verlängert über den Tod hinaus. Solche Entscheidungen sind vorallem dann wichtig, wenn unterschiedliche Erziehungsvorstellungen aufeinandertreffen.
Wer braucht eine Sorgerechtsverfügung?
Jeder, bei dem Streit um das Sorgerecht besteht, sollte eine solche haben. Jeder, der mit dem Jugendamt zu tun hat, sollte sich ein Elterntestament erstellen. Wenn ein Gutachten ansteht, solltet ihr eine solche Verfügung erstellen. Je früher desto besser, wird man sagen müssen, um die Wirksamkeit nicht anzweifeln zu können.
Das Muster einer Sorgerechtsverfügung
Hier könnt Ihr ein Muster einer Sorgerechtsverfügung herunterladen – kostenfrei:
Bitte beachtet: Das sollte für vollständige Wirksamkeit handschriftlich geschrieben sein und regelmäßig aktualisiert werden!
Erläuterungen zu meinem Muster einer Sorgerechtsverfügung:
Erst einmal Sorry, dass das Formular nicht genderneutral formuliert ist.
Die Benennungen im Sorgerechtsformular
Wichtig ist, dass man oben so deutlich wie möglich die Kinder benennt, also wie im Beschluss inkl. Geburtsdatum und allen Vornamen.
Bei der Benennung von Vormündern würde ich auch immer dazu neigen, mindestens 2 Vormünder zu benennen. Aber bitte benennt nicht zu viele Vormünder. Dann kann man Euch unterstellen dass keine gute Auswahl erfolgt ist sondern beliebigkeit herrscht.
Möglich ist es hier auch, und manchmal sinnvoll, ein abgestuftes System von Vormündern zu bennen: Meine Mutter. Sollte diese nicht in der Lage sein, das Amt auszuüben oder nicht erreichbar sein, wird hilfsweise benannt …
Es hat sich auch als Gut herausgestellt, vorher alle zu Fragen, die als Vormünder in Betracht kommen.
Zeitpunkt der Wirksamkeit der Sorgerechtsverfügung
Wichtig ist, dass eine Wirksamkeit erst einsetzt, nachdem ihr nicht mehr in der Lage seid, die Sorge auszuüben. Sonst hat die Vollmacht den Charakter einer Vertretungsmacht und kann Euren Interessen zuwiderlaufen.
Die Liste der Ereignisse
Diese Liste an Ereignissen, die das Elterntestament (Tod) oder die Sorgerechtsverfügung auslösen, sollte nie abschließend formuliert sein. Sonst wird man bei nichtgenannten Aspekten darüber sprechen, ob die Vollmacht dann auch gilt. Deshalb habe ich „insbesondere kann sein“ geschrieben.
„Formuliert die Verfügung bei aufgezählten Krankheiten nicht abschließend!“
Michael Langhans, Jurist
Reihenfolge der Benennungn von Vormündern
Wie oben schon geschrieben kann man auch eine Hilfskonstruktion nutzen zur Klarstellung. Ich präferiere die klare Reihung. Man kann auch mehrere Personen gemeinsam als Vormund benennen und die Vollmacht so formulieren. Wenn sich diese dann nicht einigen, kann es wieder die Probleme geben, die es ohne Vollmacht gibt. Denn solche Streitereien würde dann ein Gericht entscheiden und im schlimmsten Fall feststellen, dass es keine sinnvolle Vertretung des Kindes gibt.
Gemeinsame Vormundschaft macht meist nur in besonderen taktischen Konstellationen Sinn, um die Fortführung des elterlichen Willens zu stärken.
Handlungspflicht der Bevollmächtigung
Ich empfehle, dass eine Handlungspflicht niedergeschrieben wird, so dezidiert wie möglich. Das kann Ausschluss Psychopharmaka wie bei einer Patientenverfügung beinhaltet (denkt an den Fall Winterhoff), oder wie bei mir den Heimaufenthalt ausschließen.
Diese verpflichtenden Anweisungen lassen Rückschlüsse zu auf den tatsächlichen Willen der Eltern/Mutter/Vater. Damit wird Streit und Angreifbarkeit der Vormünder vermieden und damit die Eingriffsmöglichkeit des Gerichtes ausgeschlossen.
„Richter müssen den Elternwillen respektieren“
Michael Langhans, Herausgeber
Wichtig ist, auch wenn es sich aus dem Gesetz ergibt, die Richter darauf hinzuweisen, dass die Benennungen zu beachten sind.
Wer darf kein Vormund/Sorgerechtsinhaber/Betreuer werden
Diesen Bereich hasse ich, aber für eine gute Vollmacht/Verfügung muss man sich damit auseinandersetzen: Ihr solltet klar schreiben, wer nicht in Betracht kommt. Das umfasst leider auch den Vater (wenn dieser nicht bereits Sorgerecht hat). Denn von gesetzes Wegen ist der andere Elternteil vorrangig zu berücksichtigen. Dies wird also schnell vom Gericht angenommen – außer die dunklen Seiten sind samt Belegen dokumentiert. Daher sollte man auf diesen Bereich viel Zeit verwenden, wenn man sich fürchtet, der andere Elternteil würde zum Nachteil des Kindes entscheidungen treffen oder hat dem Kind schon geschadet. Hier kann und sollte man auch ggf. Belege benennen oder anfügen.
Häufige Fragen zur Sorgerechtsverfügung und zum Elterntestament
Brauche ich eine Sorgerechtsverfügung überhaupt?
Eine Sorgerechtsverfügung ist nicht zwingend, sie gibt dem Gericht aber eine klare Orientierung. Vor allem bei Konflikten um das Sorgerecht oder bei belasteten Familienkonstellationen kann sie den Elternwillen besser absichern.
Muss eine Sorgerechtsverfügung handschriftlich verfasst sein?
Für volle Wirksamkeit über den Tod hinaus sollte der Text handschriftlich wie ein Testament geschrieben oder notariell beurkundet werden. Eine bloß unterschriebene Vorlage reicht dafür oft nicht aus.
Was ist der Unterschied zwischen Sorgerechtsverfügung und Elterntestament?
Beide regeln, wer sich um das Kind kümmern soll, wenn Eltern ausfallen. Das Elterntestament ist die Form, die auch über den Tod hinaus gelten soll, während eine Sorgerechtsverfügung je nach Gestaltung auch andere Ausfallsituationen abdecken kann.
Darf ich mehrere Vormünder benennen?
Mehrere Benennungen sind möglich und oft sinnvoll, wenn sie in klarer Reihenfolge genannt werden. Zu viele Alternativen schwächen die Auswahl, weil sie beliebig wirken können.
Kann ich bestimmte Personen ausdrücklich ausschließen?
Ein ausdrücklicher Ausschluss ist möglich und in manchen Fällen sehr wichtig. Wenn ein Elternteil oder eine andere Person aus Sicht des Kindeswohls nicht geeignet ist, sollte das konkret begründet und möglichst mit Belegen untermauert werden.
Wenn ich weitere Fragen beantworten soll, kommentiert dies unten.
Fazit
- Eine Sorgerechtsverfügung und ein Elterntestament geben Eltern vor allem dann Sicherheit, wenn sie selbst nicht mehr entscheiden können. Wer seinen Willen klar und schriftlich festhält, entlastet die Kinder und vermeidet Streit in einer ohnehin schweren Lage.
- Der stärkste Punkt bleibt die eindeutige Regelung des Sorgerechts für den Ernstfall. Gerade deshalb lohnt es sich, ein passendes Muster nicht nur zu lesen, sondern den eigenen Fall sauber und verständlich zu formulieren.
- Eltern koennen viele Sorgen vermeiden, wenn sie früh eine rechtssichere und gut nachvollziehbare Verfügung vorbereiten. Das schafft Klarheit fuer Familie, Gericht und Jugendamt, weil der Wunsch der Eltern klar erkennbar ist.
- Am Ende zählt nicht die längste Formulierung, sondern ein klarer, passender und ernst gemeinter Wille. Eine sorgfältig erstellte Sorgerechtsverfügung hilft, das Kindeswohl im Blick zu behalten und gibt Eltern ein gutes Stuück Ruhe.

8 Antworten auf „Sorgerechtsverfügung und Elterntestament mit Muster“
Sehr geehrter Herr Langhans,
Wir kämpfen um die Vormundschaft für unsere zwei Enkel. Unser Sohn hat kein Sorgerecht weil die Kindesmutter es nicht will. Die Kindesmutter befindet sich in psychatrischer Behandlung und bevor ihr der Sorgerechtsentzug drohte, hat sie beraten vom Jugendamt eine Erklärung abgegeben, daß sie das Sorgerecht an das Jugendamt freiwillig abgibt. Da der familiengerichtliche Streit um das Sorgerecht nicht beendet war, wurde vom Amtsgericht auf einstweilige Anordnung Amtsvormundschaft verfügt. Das war vor einem Jahr und unser Sohn hat mittlerweile entnervt das „Handtuch geworfen“.
Wie verhält es sich, wenn die Mutter dazu überredet wurde die elterliche Sorge an das Jugendamt abzutreten?
Da war das Jugendamt sehr hilfsbereit. Das Gericht wollte uns nicht anhören und unsere Anwältin will es sich nicht mit der Direktorin des Amtsgerichtes Sangerhausen verderben. Unserer Vormundschaft steht nun der Wille der Kindesmutter im Weg und wir bekommen keinen Gerichtstermin, weil kein Rechtspfleger verfügbar wäre.
In Ihren Büchern ist über einen solchen Fall, leider nichts zu finden.
Seit über vier Jahren sind unsere Enkel im Albert Schweitzer Familienwerk eingesperrt, weil die Mutter das so will. Seit einem Jahr dürfen die Kinder auf Anweisung des Amtsvormunds nicht mehr beurlaubt werden. Die Person die als Amtsvormund benannt ist arbeitet nicht beim Jugendamt. Sie ist Kindergärtnerin, ihr Arbeitgeber ist die evangelische Kirche und ließ uns ausrichten, daß wir uns ja nicht blicken lassen sollen.
Herr Langhans, wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie uns hilfreiche Tipps in dieser verfahrenen Situation geben können.
Mit freundlichen Grüßen Ralph Niedrig
Wie jedermann können sie unter erzengel.help/hilfe eine unverbindliche Beratung von 30 Min. in Anspruch nehmen.
Hallo ich habe 2 kinder beide wurde von Jugendamt genommen in obhut nahme sorgerecht und Vormundschaft hat Jugendamt von mir Jugendamt macht nie keine sorgen um meine kinder ich mache immer sorgen um meine kinder mein Sohn ist 8 Jahre und meine Tochter ist 2 jahre bitte meine kinder zurück lg Madeleine kasten
[…] eine Sorgerechtsverfügung hatte ich bereits berichtet. Ein anderes wichtiges Instrument ist dabei die „normale“ […]
Müsste es im ersten Satz des Musters nicht „§ 1774 BGB“ heißen? Im § 1776 geht es um zusätzliche Pfleger…
Hallo ich habe eine Frage zur Sorgerechtsverfügung.
Die zwei kinder meines Sohnes wurden mitte September ohne Vorwarnung für meinen Sohn aber mit Beschluss vom Gericht das Sorgerecht entzogen und somit in ein Jugendheim untergebracht.
Die kinder haben bei der Mutter gelebt, trotzdem waren sie täglich beim Vater.Sie wohnen nur 3Straßen auseinander.Die Eltern sind geschieden.Die kindsmutter ist den Drogen gefallen und hat viel Mist gebaut und hat eine Erklärung für das Jugendamt unterschrieben. Eine lange Geschichte.
Kann mein Sohn ein Sorgerechtsverfügung noch beantragen so dass wir die Großeltern das Sorgerecht bekommen? Oder sollen wir eine Vormundschaft beantragen?? Ich möchte ihm aber nicht das Recht nehmen,mit zu entscheiden.
Was ist das richtige was wir machen können.
ich wäre sehr dankbar für ihre Antwort und verbleibe mit freundlichen Grüßen
Kerstin Sponsel
Können von dem Anderen Elternteil in Betracht kommende Vormünder durch meinen Willen und Belege ausgeschlossen werden ?
LG
Gilt gemeinsame Sorge?