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Sorgerecht

Was ist Gatekeeping? Definition, Folgen für Kinder und Lösungen im Familienrecht

Gatekeeping bezeichnet im Familienrecht das Verhalten eines Elternteils, das den Zugang des anderen Elternteils zum gemeinsamen Kind steuert – entweder einschränkend (restriktiv) oder fördernd (facilitativ). Problematisch wird Gatekeeping, wenn es den Umgang ohne sachlichen Grund behindert und so zu Entfremdung und Kontaktabbruch führen kann.

In der Fachliteratur wird Gatekeeping definiert als „Einstellungen und Verhaltensweisen eines Elternteils, die den Zugang des anderen Elternteils zum Kind regulieren“. Gatekeeping kann Kontakt sowohl einschränken als auch fördern (zitiert nach Zimmermann, Fichtner, Walper, Lux und Kindler, Verdorbener Wein in neuen Schläuchen, ZKJ 2/2023).

Was bedeutet Gatekeeping? Restriktiv vs. facilitativ

Gatekeeping ist nicht per se negativ. Die Forschung unterscheidet zwei Formen: Beim restriktiven Gatekeeping wird der Kontakt zum anderen Elternteil begrenzt oder verhindert, beim facilitativen Gatekeeping wird er aktiv unterstützt.

Es wird daher manchmal vom „restriktiven“ und „facilitiativen“ Gatekeeping gesprochen .“

für eine Forschungsubersicht s. Schoppe-Sullivan/AltenburgerSchoppe-Sullivan/Altenburger, 2019

Warum Gatekeeping dem Kind schaden kann

Gatekeeping ist also das, was oft auch als „Helikoptern“ bezeichnet wird: Überfürsorgliches Verhalten, das andere ausschließt und damit dem Kind Schaden zufügen kann. Doch wie geht man mit einer solchen Situation um?

Gatekeeping im Verfahren: Sachverhalt aufklären

Beim Gatekeeping ist es zuvörderst wichtig, dass man den Sachverhalt ordentlich klärt – was gem. §26 FamFG im Verfahren Aufgabe des Richters wäre, der aber insoweit keine pädagogisch-psychologische Ausbildung hat.

„Insgesamt begegnen den Fachkräften und Gerichten in Fällen mit ausgeprägtem mütterlichen Gatekeeping sowohl gut verborgene, aber reale Gefahren durch Umgang als auch stark verzerrte Wahrnehmungen. Daher ist es unabdingbar, beide Möglichkeiten präsent zu halten, den Sachverhalt so gut wie möglich aufzuklären und die resultierenden Hinweise abzuwägen.“

zitiert nach Zimmermann, Fichtner, Walper, Lux und Kindler, Verdorbener Wein in neuen Schläuchen, ZKJ 2/2023

Konklusion: Nicht alles, was ein Elternteil erkennt oder bemängelt, muss real sein. Es gibt stark verzerrte Wahrnehmungen.

Gatekeeping führt zu stark verzerrter Wahrnehmung und muss daher Anlass des Gerichtes sein, nachzuforschen

Michael Langhans, Volljurist

Damit wird aber wie so oft der Finger in die Wunde gelegt: Man muss das Problem sehen wollen. Oftmals stellt sich aber in Verfahren dar, dass nur ein entfremdeter Elternteil negatives Gatekeeping bemerkt, die anderen nicht.

Was kann der umgangsbegehrende Elternteil tun?

Es verwundert ein wenig, aber selbst der, der Umgang wünscht, kann versuchen den anderen Elternteil positiv zu beeinflussen: Indem man ihn teilhaben lässt.

„Zum anderen kann die Irritierbarkeit des Vertrauens in die Fürsorgekompetenz und Zuverlässigkeit des Vaters vermindert werden, wenn Absprachen eingehalten und Fotos bzw. Videos das Wohlergehen des Kindes beim Umgang dokumentieren. Dem verständlichen Wunsch von Vätern nach Abschottung der eigenen Zeit mit dem Kind nachzugeben, wirkt in diesen Fällen kontraproduktiv. „

zitiert nach Zimmermann, Fichtner, Walper, Lux und Kindler, Verdorbener Wein in neuen Schläuchen, ZKJ 2/2023

Vertrauen geben statt einfordern, so würde ich das zusammenfassen. Umgang muss nicht geheim erfolgen, sollte dann aber auch, wenn er stattfindet und dies kommuniziert wird und Bilder geteilt werden nicht zu einer kleinkarierten Kritik des anderen Elternteils führen.

Kompetenzstärkung des betreuenden Elternteils

Daher finde ich es gut, dass das Expertenteam um Fichtner, Kindler und Walper auch eine Kompetenzverbesserung des umgangsgewährenden Elternteils fordert.

„Unsicherheiten und Ängste von Müttern in der Elternrolle können das Bedürfnis nach Kontrolle über enge Beziehungen des Kindes verstärken, weshalb in der Jugendhilfe ein Zugang, der die Kompetenzen von Müttern betont und fordert, prinzipiell auch Vater-Kind-Kontakten dient.“

zitiert nach Zimmermann, Fichtner, Walper, Lux und Kindler, Verdorbener Wein in neuen Schläuchen, ZKJ 2/2023

Jetzt muss man natürlich anmerken, dass Kompetenzverbesserung nicht heisst, dass der Elternteil vorher unfähig war. Jeder von uns kann noch besser werden. Ein Lösungsansatz, der beide Eltern verpflichtet, ist sicherlich einem einseitig kritisierenden vorzuziehen, um keine „Gewinner“ und „Verlierer“ zu erzeugen.

Gatekeeping kann zu Kontaktproblemen führen

Unabhängig davon kann Gatekeeping also zu Entfremdung, Kontaktproblemen und Kontaktabbruch führen. Wie man dann vorgeht, habe ich in diesem Artikel beschrieben:

https://familienrecht.activinews.tv/sorgerecht/wie-geht-man-bei-entfremdung-kontaktproblemen-vor

Häufige Fragen zu Gatekeeping (FAQ) 

Ist Gatekeeping strafbar oder rechtlich relevant?

Gatekeeping ist kein eigener Straftatbestand. Es kann aber familienrechtlich relevant werden: Verhindert ein Elternteil den Umgang ohne triftigen Grund, kann das Familiengericht Umgangsregelungen treffen, Ordnungsmittel nach § 89 FamFG verhängen und im Extremfall das Sorgerecht neu bewerten (§§ 1684, 1696 BGB).

Wie erkenne ich restriktives Gatekeeping?

Typische Anzeichen sind wiederholtes Absagen von Umgangsterminen, Kontrolle oder Abwertung des anderen Elternteils vor dem Kind, Verweigerung von Informationen (Schule, Arzt) und das Bestehen auf ständiger eigener Anwesenheit beim Umgang.

Was kann ich tun, wenn ich von Gatekeeping betroffen bin?

Dokumentieren Sie Absprachen und Kontaktversuche, bleiben Sie selbst verlässlich und transparent, bieten Sie Teilhabe an (Fotos, Berichte) und suchen Sie frühzeitig Beratung beim Jugendamt oder einem Fachanwalt für Familienrecht.

h3: Ist Gatekeeping dasselbe wie Eltern-Kind-Entfremdung?

Nein. Gatekeeping beschreibt das Verhalten des Elternteils, Entfremdung die mögliche Folge beim Kind. Restriktives Gatekeeping ist ein häufiger, aber nicht der einzige Weg in eine Entfremdung.

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