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Narzissmus und Sorgerecht

Mein Partner ist ein Narzisst. Das wird oft behauptet und stimmt öfter. Narzissmus ist deshalb eine häufige Erklärung im familienrechtlichen Streit, beinahe schon ein Modewort. Weshalb ich von solchen Selbstdiagnosen abrate, was Narzissmus bedeutet und wie man taktisch am Besten vorgeht, das versuchen wir in diesem Artikel zu erläutern.

Narzissmus und Sorgerecht- für Euch aufgearbeitet. Denn Sorgerechtsstreit mit Narzissten ist kein Vergnügen. Im Sorgerechtsstreit schlagen die negativen und positiven Aspekte eines Narzissten (Charme u.a.) voll durch.

Ach ja, auch wenn ich öfter als „der Narzisst“ schreibe, ist das in diesem Artikel genderneutral zu verstehen.

Was bedeutet Narzissmus?

Was bedeutet überhaupt das Wort Narzissmus? Was ist eine narzisstische Persönlichkeitsstörung? Wer überhaupt gilt als Narziss?

Vorweg: Narzissen sind charmant, redegewandt, humorvoll und ziemlich selbstsicher. Sie ziehen die Aufmerksamkeit durch Ihre Ausstrahlung auf sich. Meistens, so meine Erfahrung, sehen sie auch ziemlich gut und sehr gepflegt aus. Soweit der erste Eindruck.

Narzissen sind charmant, redegewandt, humorvoll und ziemlich selbstsicher

Wenn wir von einem Narzissten sprechen, sind es die Männer. Bei Frauen, so habe ich es mir mal erklären lassen, spricht man eher von Hysterie. Man sagt: Sie ist hysterisch.

Jeder von uns kennt sicherlich den Typen Chef, der immer recht hatte oder cholerisch wurde. Jeder von uns kennt einen Vater, der egozentrisch war oder aber auch der Opa nebenan, der mit allem skrupellos schimpfte. Und ja, nicht zu vergessen, die narzisstischen Ehemänner oder Partner.

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung

Aber wann sprechen wir von einer nazistischen Persönlichkeitsstörung?

Und vor allem: Wann beginnt es uns extrem zu stören und unsere Nerven zu strapazieren?

Kriterien nach DSM-5

Im DSM-5 sind folgende Kriterien aufgeführt

Mindestens fünf der folgenden Kriterien müssen erfüllt sein:

Hat ein grandioses Gefühl der eigenen Wichtigkeit (z. B. übertreibt die eigenen Leistungen und Talente; erwartet, ohne entsprechende Leistungen als überlegen anerkannt zu werden).

Ist stark eingenommen von Fantasien grenzenlosen Erfolgs, Macht, Glanz, Schönheit oder idealer Liebe.

Glaubt von sich, „besonders“ und einzigartig zu sein und nur von anderen besonderen oder angesehenen Personen (oder Institutionen) verstanden zu werden oder nur mit diesen verkehren zu können.

Verlangt nach übermäßiger Bewunderung.

Legt ein Anspruchsdenken an den Tag (d. h. übertriebene Erwartungen an eine besonders bevorzugte Behandlung oder automatisches Eingehen auf die eigenen Erwartungen).

Ist in zwischenmenschlichen Beziehungen ausbeuterisch (d. h. zieht Nutzen aus anderen, um die eigenen Ziele zu erreichen).

Zeigt einen Mangel an Empathie: Ist nicht willens, die Gefühle und Bedürfnisse anderer zu erkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren.

Ist häufig neidisch auf andere oder glaubt, andere seien neidisch auf ihn/sie.

Zeigt arrogante, überhebliche Verhaltensweisen oder Haltungen.

via Wikipedia

Der ICD-10 führt hierzu nichts besonders aus.

Wie Narzissten ticken im Sorgerecht und überhaupt

Lassen Sie uns gemeinsam mal schauen, wie die Narzissten ticken. Dazu wurde das ganze natürlich etwas in plastischere Beispiele gegossen als es der DSM-5 widergibt:

  • Der Narzisst schein Star-Allüren zu haben. Er ist der schönste, der beste und duldet keine besseren als er selber. Nur seine Meinung gilt. Nur er weiß, wovon er spricht.
  • Der Narzisst ist ein Egozentriker, der auch unsere Persönlichkeit manchmal angreift. Denn nur seine Interessen sind wichtig. Was andere dazu meinen hingegen ist irrelevant.
  • Sie sind rücksichtslos in ihrem Umfeld.
  • Empathie ist ein Fremdwort für Narzissten. Das Gefühl der Anteilnahme fehlt vollständig.
  • Narzissten lieben Macht und Ruhm. Sie sind meistens in der ersten Reihe und brauchen ständig die Anerkennung.
  • Sie sind berechnend wenn es um die eigenen Interessen geht. Ein Narzisst ist der typische Kollege, der die Unterlagen der Kollegin/dem Kollegen nicht gibt und dem Chef dann sagt, er hätte nicht gewusst, dass der Andere die gebraucht hat. So ziemlich unkollegial.
  • Narzissten sind absolut keine Teamplayer, wenn sie im Team sind, dann haben sie natürlich das Sagen, sonst niemand.
  • Sie sind arrogant.
  • Sie gehen ohne Rücksicht auf Verluste durch das Leben.
  • Sie streben immer nach Macht. Und wenn sie die Macht haben, brauchen sie auch mehr Macht.
  • Sie sind die Super-Schauspieler und das insbesondere in ihrer Opfer-Rolle.
  • Narzissten können nicht zuhören, und wenn sie aus Versehen zuhören, dann verdrehen sie später die Worte im Mund und geben das falsch aber glaubhaft wieder.
  • Narzissten wissen immer alles besser als andere. Sie freuen sich immer, wenn man sie nach ihrer Meinung fragt. Sie springen quasi in die Luft, wenn man diese als Berater im Freundeskreis wählt.
  • Sie sind sehr redegewandt.
  • Sie sind manipulativ.
  • Sie sind die Meister des ersten Eindrucks. Narzissten machen einen sehr guten ersten Eindruck, bis die Fassade anfängt zu bröckeln.
  • Sie sind stets auf der Suche nach Lob und Anerkennung.
  • Nicht zu vergessen ist, dass sie immer das arme Opfer spielen, wenn was schief läuft. Insbesondere Ehemänner oder Ex-Partner können das sehr gut anderen verkaufen.
  • Narzissten können sehr gut Druck ausüben. Dies können sie subtil und indirekt äußerst eindrucksvoll.
  • Sie meiden emotionale Themen, denn sie können mit Emotionen überhaupt nicht umgehen.
  • Narzissten kommen um ein Anspruchsdenken nicht herum.
  • Narzissten denken, dass sie wertvoller sind als alle anderen Menschen in ihrem Umfeld.
  • Sie üben manipulativ und subtil Druck aus
  • Und all das ist leider meistens mehr schein als sein.
  • Sie sind leider nicht loyal.
  • Sie sind kritikunfähig. Man kann und darf Narzissten nicht kritisieren, denn sie denken, sie sind die Größten die Besten und alles dreht sich um sie herum.
  • Sie sind sehr eitel.
  • Sie bleiben bei ihrer Meinung, sind in vielerlei Hinsicht uneinsichtig.
  • Und natürlich wollen sie immer bewundert werden.

Soll man Narzissten im Sorgerechtsstreit so benennen?

Grundsätzlich rate ich davon ab, einen Narzissten im Sorgerechtsstreit so zu benennen, außer ihr habt eine schriftliche Diagnose. Das Problem bei diesem Krankheitsbild ist die Tatsache, dass es nur umfangreich und in Zusammenarbeit mit der Person diagnostiziert werden kann. Eine solche Diagnose ohne ein Attest wäre anmaßend und beleidigend – aus Sicht des Gerichtes.

Ich empfehle lieber auszuführen, wie sich eine Person verhält. Dazu könnt ihr die obigen Beispiele verwenden oder Euch an den Kriterien nach DSM-5 entlanghangeln.

Das hat den Vorteil, dass ihr Tatsachen einführt. Tatsachen muss das Gericht verwenden und berücksichtigen. Eure Meinung, Euren Schluss hingegen darf das Gericht ignorieren.

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Was will ich erreichen?

Daran muss man alles, was man tun möchte, anknüpfen lassen. In der Regel möchte ich mein Kind schützen, nicht den Expartner diskreditieren. So sollte man vorgehen und entscheiden, was man sagt und fordert!

Aber möchte ich, dass man dies weiter untersucht?

Wer nach einem Gutachter für seinen Partner ruft, der verkennt dass das Gutachten dann auch einen selber betrifft. Und wenn das Schlechtgutachten vorliegt und Dich belastet, bist Du dann weitergekommen? Nein.

Narzissmus und die Wirkung auf das Kind im Sorgerechtsstreit

Aber Narzissmus wirkt sich doch auf das Kind aus, würden viele Eltern jetzt sagen. Und tatsächlich, es gibt Anzeichen und Langzeitwirkungen, die nicht positiv sind – auch weil Narzissten wenig Empathie haben, wie oben geschrieben stand:

Zeigt einen Mangel an Empathie: Ist nicht willens, die Gefühle und Bedürfnisse anderer zu erkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren.

DSM-5

Daher sind typische Auswirkungen auf das Kind:

  • Kinder von Narzissten haben geringes Selbstbewusstsein als andere Kinder
  • sie ziehen sich oft zurück
  • Kinder von Narzissten sind unsicherer als andere
  • sie haben häufig Angst, alleinegelassen und verlassen zu werden
  • betroffenen Kindern fällt es oft schwer, die eigene Meinung zu sagen aus Angst, abgelehnt zu werden

Hinzu kommen dann oft eigene psychische Probleme wie Dression, Essstörung oder Selbstverletzung. Narzissmus, unbehandelt und ausgelebt, pflanzt sich fort und wird dem Kind anerzogen.

Narzisst im Sorgerechtsstreit

Doch was heisst das im Sorgerechtsstreit? Es heißt, dass die Folgen für das Kind negativ sind. Im besten Fall wirft man Dir vor, das nicht erkannt und nicht gegengesteuert zu haben. Im schlimmsten Fall unterstellt man Dir den Narzissmus.

Jedes ihm nicht genehme Ergebnis wird er als persönliche Niederlage empfinden und bekämpfen!

Problem Narzisst: Gemeinsame Sorge unmöglich?

Ist gemeinsame Sorge bei einem Narzissten möglich? Eher nicht. Weil er (oder sie) immer Recht hat, ist eine andere Meinung nicht vorgesehen und quasi beleidigend. Andererseits wird der Narzisst keine Lösung, auch des Gerichtes, akzeptieren. Der Narzisst akzeptiert keine gleichberechtigte Partnerschaft. Er herrscht. Aber nur intern. Nach außen ist er oder die Nette von Nebenan.

Lösung Narzissmus und Sorgerecht?

Die Lösung ist einfach und doch schwer: Vorwürfe bringen Dich nicht weiter. Versuche, wie immer, das Kind und dessen Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen. Suche Dir verbündete auf diesem Weg, die Dein Vorgehen unterstützen. Der Narzisst wird sich dann zu erkennen geben müssen, weil er diesen Lösungsweg nicht gehen will und kann.

Und trotzdem ist der andere ein Teil des Lebens des Kindes. Den Weg zu finden, mit einem Narzissten zu leben, ist beinahe unmöglich. Natürlich gibt es auch die Fälle, die sich behandeln lassen. Aber das sind wenige.

Du solltest daher nicht versuchen, den Narzissten vom Kind fernzuhalten. Überlass das seinen Handlungen. Ich weiss, es ist schwierig und es mag sein, dass das Kind dann etwas leidet. Die Kunst ist es einerseits, das Kind nicht leiden zu lassen, andererseits ihm nicht die Chance zu geben Dich als böse darzustellen. Das gelingt ihm eher, wenn Du das N. Wort verwendest.

Sind Narzissten erziehungsfähig?

Erziehungsfähigkeit fordert Empathie. Das ist ein Problem bei Narzissmus und Sorgerecht. Man muss auf andere eingehen. Man muss die Bedürfnisse des Kindes wahrnehmen. Häufig wird man daher, auch wegen der oben genannten Auswirkungen auf das Kind, nicht von Erziehungsfähigkeit ausgehen können. Doch auch diesen Schluss muss das Gericht treffen, nicht ihr.

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Im Fokus: Bedürfnisse des Kindes

Alles andere kommt dann von alleine!

Legt den Fokus auf das Kind, der Schluss kommt dann von alleine, wenn dessen Bedürfnisse ignoriert werden.

Dann löst sich Narzissmus und Sorgerecht auf. Doch der Kampf wird nie enden.

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5 Antworten auf „Narzissmus und Sorgerecht“

Hallo, vielen Dank für diese tolle Zusammenfassung zum Thema Narzissmus. Der Vater meiner Kinder (1 und 2 Jahre alt) ist leider auch ein Narzisst. Er zeigt u.a. keinerlei Empathie für die Kinder, was ich leider auch während der zur Zeit ablaufenden begleiteten Umgänge feststellen muss. Stößt sich bspw. ein Kind, dann reagiert er überhaupt gar nicht. Es wurde bei ihm auch eine Haaranalyse gemacht, die folgende Dinge festgestellt hat: Amphetamine (0,09ng/mg), Kokain (2,01ng/mg), Zoplicon (0,79ng/mg) und Alkohol (583 pg/mg). Trotz dieser Werte und meinen bereits vorgetragenen Verdacht auf eine narzisstische Störung (wegen jahrelangen Kokainkonsum) besteht das JA auf bald stattfindene unbegleitete Umgänge. Das kann man doch keinen 1 jährigen Kind anrufen, das seinen Vater erst seit Mai einmal die Woche bei begleiteten Umgängen kennenlernt und das keinerlei Bindung zu ihm hat (und er nicht zu ihr)…

Danke Franziska für Deinen Kommentar. Ja, ich hätte da auch bedenken. Wenn unbegleitet dann eh nur bei Nachweis der Abstinenz vor jedem Umgang und bei längerer Abstinenz vorher. Wie lange lag der Konsum denn zurück gem. Haaranalyse?

Danke für den Artikel, habe vieles von dem wiedergefunden, was ich erlebt habe und immer noch erlebe. Es ist schwer, mit ansehen zu müssen, wie ein Kind unter der Emphatielosigkeit leidet. Aber mehr, als für das Kind da zu sein und ihm alles zu geben, was der andere Elternteil nicht geben kann, fällt mir auch nicht ein. Ganz hilfreich war bei mir, dass ich mir das Recht erkämpft habe, an der Grundschule präsent sein zu können. So konnte ich mich voll in die Elternarbeit einbringen und abseits der Mutter für mein Kind da sein.

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